{"id":129,"date":"2013-10-08T09:39:48","date_gmt":"2013-10-08T07:39:48","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/projects\/wordpress\/?page_id=129"},"modified":"2021-01-06T18:51:17","modified_gmt":"2021-01-06T16:51:17","slug":"medikamentoese-therapie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.kardiologie-saalkreis.de\/?page_id=129","title":{"rendered":"Medikament\u00f6se Therapie"},"content":{"rendered":"<h2>Medikament\u00f6se Behandlung &#8211; Wann und wie helfen Tabletten bei Herzrasen?<\/h2>\n<div id=\"target-id69f1d4e7aaa94\" class=\"collapseomatic_content \">Die medikament\u00f6se Behandlung von Herzrhythmusst\u00f6rungen ist und bleibt sehr individuell. Es stehen die verschiedensten Medikamente zur Verf\u00fcgung. Sie werden nach Art der Rhythmusst\u00f6rung und der zugrunde liegender Herzerkrankung von Ihrem Arzt verordnet. Die subjektiv empfundenen Beeintr\u00e4chtigungen spielen bei der Auswahl des Medikaments eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Einige Bemerkungen vorab:<\/span><\/p>\n<ol>\n<li>Ein zu langsamer Herzschlag (Bradykardie) kann \u00fcblicherweise nicht mit Medikamenten behandelt werden. Hier ist es im Gegenteil sogar erforderlich, alle Medikamente nochmal kritisch zu betrachten. So haben zum Beispiel die Betablocker eine bremsende Wirkung auf die Herzfrequenz. In diesem Fall ist es sicher n\u00f6tig, die Dosis anzupassen.<\/li>\n<li>Neben den erw\u00fcnschten Wirkungen haben die Medikamente zur Behandlung von Rhythmusst\u00f6rungen (Antiarrhythmika) unerw\u00fcnschte, teilweise fatale Wirkungen. Diese sogenannten Proarrhythmien \u00e4ussern sich oftmals selbst in Form von teilweise schweren Rhythmusst\u00f6rungen. Die Einnahme von Antiarrhythmika ist deshalb nicht immer sinnvoll und notwendig. Oft reicht eine Umstellung der Lebensweise und ggf. die Einnahme von Mineralstoffpr\u00e4paraten. Das geeignete Mittel wird in jedem Fall besonders gr\u00fcndlich ausgew\u00e4hlt und sorgf\u00e4ltig dosiert.<\/li>\n<li>Medikamente, die zur Behandlung von Bluthochdruck oder einer koronaren Herzkrankheit verschrieben werden, haben meist einen zus\u00e4tzlichen positiven Einfluss auf Herzrhythmusst\u00f6rungen.<\/li>\n<li>Die Einnahme von Rhythmusmedikamenten sollte von einem Kardiologen und vom Hausarzt in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden \u00fcberwacht werden. Immer wieder sollte gepr\u00fcft werden, ob die Tabletten noch erforderlich und geeignet sind. Eine jahrelange Einnahme dieser Medikamente ist oft nicht notwendig und kann im schlimmsten Fall sogar ung\u00fcnstig sein.<\/li>\n<li>Bei der Einnahme von Rhythmusmedikamenten ist sicherzustellen, dass der Mineralhaushalt ausgeglichen ist. Bitte lassen Sie regelm\u00e4\u00dfig Ihre Blutsalze beim Hausarzt bestimmen.<\/li>\n<li>Wie alle anderen Medikamente werden Antiarrhythmika meist in Leber und Niere umgewandelt bzw. abgebaut. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass diese Organe gut funktionieren. Bitte lassen Sie die Organfunktionen regelm\u00e4\u00dfig beim Hausarzt untersuchen. Hier reichen in den meisten F\u00e4llen Blutuntersuchungen. Sollte die eine oder andere Organfunktion nachlassen, muss in der Regel die Dosis der Medikamente reduziert werden oder sogar das darauf verzichtet werden.<\/li>\n<li><span style=\"color: #ff0000;\">Bitte informieren Sie andere behandelnde \u00c4rzte unbedingt \u00fcber die Einnahme dieser Tabletten. Es k\u00f6nnen bedeutsame Wechselwirkungen auftreten.<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<h2>\u00a0Wichtige Medikamente zur Behandlung von Herzrhythmusst\u00f6rungen<\/h2>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Herzglykoside (Digoxin \/ Digitoxin)<\/span><br \/>\nGlykoside wurden fr\u00fcher haupts\u00e4chlich zur Behandlung von Herzschw\u00e4che eingesetzt. Heute werden sie fast ausschlie\u00dflich zur Senkung der Herzfrequenz bei Vorhofflimmern verwendet. Dabei verz\u00f6gern Digitoxin und Digoxin vor allem die Weiterleitung der Erregungsimpulse im AV-Knoten. Bei allen langsamen Herzrhythmusst\u00f6rungen verbietet sich der Einsatz von Glykosiden. Wegen der Gefahr der \u00dcberdosierung ist es wichtig zu wissen, dass die verordnete Tagesdosis keinesfalls \u00fcberschritten werden darf (in der Regel eine Tablette t\u00e4glich, manchmal auch weniger). Symptome einer \u00dcberdosierung sind: u.a. \u00dcbelkeit, Erbrechen, Benommenheit und gest\u00f6rtes Farbsehen. Manche Rhythmusst\u00f6rungen k\u00f6nnen verst\u00e4rkt werden. Es k\u00f6nnen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten. Gerade bei \u00e4lteren Patienten mit Sch\u00e4digung mehrere Organe kann es zu \u00dcberdosierungen kommen. Sollte der Verdacht bestehen, muss das Pr\u00e4parat pausiert und schnellsten ein Arzt hinzugezogen werden.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Betarezeptorenblocker<\/span><br \/>\nDas sind Medikamente, die das Herz gegen Stresshormone \u201eabschirmen\u201c, indem sie die Stressrezeptoren (Betarezeptoren) blockieren. So kann \u201cAdrenalin und Co.\u201d nicht mehr in voller St\u00e4rke andocken und \u00fcberm\u00e4\u00dfige Stressreaktionen (Herzrasen und Bluthochdruckanstieg) ausl\u00f6sen. Die Therapie mit Betarezeptorenblockern verlangsamt die Herzfrequenz, senkt den Blutdruck. Sie beugt Rhythmusst\u00f6rungen vor und ist ein wesentlicher Bestandteil der medikament\u00f6sen Therapie nach einem Herzinfarkt. Betarezeptoren finden wir am Herzen und in den Gef\u00e4\u00dfen. Auch die Lunge hat Betarezeptoren, was die Therapie bei Patienten mit Lungenerkrankungen manchmal etwas schwer macht, da Betablocker die Atemwege verengen und so Atemnot und Asthmaanf\u00e4lle ausl\u00f6sen k\u00f6nnen.<br \/>\nIn seltenen F\u00e4llen treten noch andere Nebenwirkungen von Betablockern auf: Schwindel aufgrund eines zu niedrigen Pulses oder eines zu niedrigen Blutdruckes, kalte H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe, eine leichte Gewichtszunahme und manchmal Potenzst\u00f6rungen. Um die Nebenwirkungen im Einzelfall zu reduzieren, kann auf sehr selektiv wirksame Betablocker zur\u00fcckgegriffen werden. Im K\u00f6rper gibt es zwei verschiedene Untergruppen: Beta 1-Typ vorwiegend im Herzen und Beta 2 Typ vorwiegend in der Lunge. Sollte eine Therapie mit Betablockern aufgrund von Lungenerkrankungen nicht m\u00f6glich sein oder sinkt der Blutdruck bei einer hohen Dosis zu stark ab stehen heute weitere Pr\u00e4parate, z.B. das Ivabradin (Procoralan\u00ae) zur Verf\u00fcgung. Dieses Medikamnet f\u00fchrt zur alleinigen Senkung der Herzfrequenz ohne Senkung des Blutdruckes. Es kommt vor allem bei Patienten mit Lungenerkrankungen und Patienten nach Herzinfarkt zum Einsatz.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Kalziumanatgonisten<\/span><br \/>\nDiese Medikamente reduzieren \u00fcber die Kalziumkan\u00e4le der Muskelzellen den Einstrom von Kalziumionen. So wird eine \u00fcberm\u00e4\u00dfige Muskelkontraktion gemindert und damit Sauerstoff verbraucht. In den Gef\u00e4\u00dfen f\u00fchrt die Kaziumblockade zur Erweiterung der Arterien und so zum Blutdruckabfall. Bestimmte Kalziumanatgonisten (z.B. Verapamil) haben zudem noch eine elektrische Wirkung am AV-Knoten. Dort wirken sie wie eine zus\u00e4tzliche Bremse und k\u00f6nnen damit bei Tachykardien (Herzrasen) aus dem Vorhof, Vorhofflimmern und Vorhofflattern erfolgreich abbremsen. Im Gegensatz zum Betablocker haben die Kalziumanatgonisten keine negativen Wirkungen bei Patienten mit Lungenerkrankungen. In der Prophylaxe von Vorhofflimmern werden sie allerdings als wesentlich schw\u00e4cher beurteilt als Betablocker. Nebenwirkungen sind bei einer \u00dcberdosis niedriger Blutdruck, Kn\u00f6chelschwellungen, selten Darmverstopfung oder eine Herzschw\u00e4che bei vorgesch\u00e4digtem Herzen. Verapamil sollte nicht zusammen mit dem neuen oralen Antikoagulanz Dabigatran (Pradaxa\u00ae) eingenommen werden.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Propafenon und Flecainid<\/span><br \/>\nBei beiden Substanzen handelt es sich um sogenannte \u201eechte Antiarrhythmika\u201c \u2013 also richtige Rhythmusmedikamente. Sie sind in der Lage Herzrhythmusst\u00f6rungen sowohl in der Herzkammer als auch im Vorhof zu unterdr\u00fccken. Aufgrund schwerer Nebenwirkungen d\u00fcrfen beide Pr\u00e4parate bei Patienten mit Angina pectoris oder nach einem Herzinfarkt und bei anderen schweren Herzerkrankungen gar nicht oder nur unter strengster Kontrolle gegeben werden.<br \/>\nIn der Regel werden diese Pr\u00e4parate bei vor\u00fcbergehendem, paroxysmalem Vorhofflimmern oder zur Unterdr\u00fcckung von sehr l\u00e4stigen Extrasystolen aus Vorhof oder Herzkammer eingesetzt. Die Dosis ist sehr individuell von dem behandelnden Arzt zu bestimmen.<br \/>\nMit Propafenon oder Flecainid ist eine sogenannte <strong>\u201epill in the pocket\u201c Therapie<\/strong> m\u00f6glich. Darunter versteht man, dass gerade bei Vorhofflimmern, wenn es sehr selten auftritt, eine solche Tablette bedarfsm\u00e4\u00dfig eingenommen werden kann. Die Rhythmusst\u00f6rung verschwindet in der Regel nach einer Stunde. Die allererste Tablette sollte, wenn m\u00f6glich, in der Praxis oder in der Klinik unter Aufsicht eingenommen werden. So kann man einigerma\u00dfen sicher sein, das auch in Zukunft bei unbeobachteter Einnahme keine gef\u00e4hrlichen Nebenwirkungen auftreten.<br \/>\nNebenwirkungen k\u00f6nnen sein: \u00dcbelkeit, Doppelbilder, bitterer Geschmack im Mund oder Schwindel. Die gef\u00e4hrlichste Nebenwirkung aller Antiarrhythmika ist die sogenannte Proarrhythmie. Das ist eine Verst\u00e4rkung der Rhythmusst\u00f6rung, also der gegenteilige Effekt der Behandlungserwartungen mit manchmal sogar lebensbedrohlichen Konsequenzen. Deshalb geh\u00f6rt die Verordnung in die Hand eines erfahrenen Arztes. Es sind regelm\u00e4\u00dfige EKG- und Laborkontrollen beim Hausarzt erforderlich. Sollten andere Erkrankungen \u201edazukommen\u201c oder sich die Herzerkrankung verschlechtern, muss die Therapie mit diesen Medikamenten immer wieder auf den Pr\u00fcfstand gestellt werden.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Sotalol<\/span><br \/>\nSotalol ist eigentlich ein Betablocker, der aber dar\u00fcber hinaus auch die sogenannten Kalium-Kan\u00e4le blockiert und damit Rhythmusst\u00f6rungen unterdr\u00fccken kann. Aufgrund zahlreicher Nebenwirkungen im Sinne von Proarrhythmien kommt Sotalol in Deutschland wenig zum Einsatz. Eine Therapie sollte gut \u00fcberwacht werden.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Amiodaron<\/span><br \/>\nAmiodaron ist ein besonderes Rhythmusmedikament. Es kann bei allen Formen von Herzrhythmusst\u00f6rungen eingesetzt werden. Die Wirkung von Amiodaron als Tablette setzt sehr langsam ein und ist erst nach ein paar Wochen sp\u00fcrbar. Amiodaron ist prinzipiell sicher, hat aber eine Reihe von Nebenwirkungen, die eine lebenslange Therapie meist unm\u00f6glich machen. Die haupts\u00e4chliche Nebenwirkung beruht auf dem hohen Jodanteil, der zu Schilddr\u00fcsenfunktionsst\u00f6rungen f\u00fchren kann. Weitere Probleme sind eine erh\u00f6hte Sonnenempfindlichkeit mit teilweise sehr heftigem Sonnenbrand schon nach kurzem Aufenthalt im Freien. Es kann zu Einlagerungen von Amiodaron in der Hornhaut des Auges kommen, was zu vor\u00fcbergehenden Sehst\u00f6rungen f\u00fchrt. Manchmal kann es zu Atemnot aufgrund von amiodaroninduzierten Ver\u00e4nderungen des Lungenger\u00fcstes kommen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Dronedaron<\/span><br \/>\nSo wie Amiodaron ist Dronedaron ein neues \u201emultipotentes\u201c Rhythmusmedikament, das alle Ionenkan\u00e4le im Herzen beeinflussen kann, die an der Entstehung von Herzrhythmusst\u00f6rungen beteiligt sind. Ein gro\u00dfer Vorteil liegt darin, dass im Dronedaron kein Jod ist. So treten die haupts\u00e4chlichen Nebenwirkungen (Schilddr\u00fcsenfunktionsst\u00f6rungen) nicht mehr auf. Dronedaron hat seinen Platz in der Behandlung von anfallsweisem Vorhofflimmern bei Patienten mit normaler Herzleistung gefunden. Hier spielt es keine Rolle, ob weitere Herzerkrankungen, wie eine koronare Herzkrankheit oder ein Bluthochdruck vorhanden sind. Sobald das Vorhofflimmern nicht mehr von allein verschwindet, muss Dronedaron abgesetzt und die Therapieplanung dann neu \u00fcberdacht werden. Auch unter Dronedaron sind Nebenwirkungen bekannt, die aber wesentlich seltener sind als unter Amiodaron.<\/div><span class=\"collapseomatic \" id=\"id69f1d4e7aaa94\"  tabindex=\"0\" title=\"F\u00fcr Informationen klicken Sie bitte hier\"    >F\u00fcr Informationen klicken Sie bitte hier<\/span><span id='swap-id69f1d4e7aaa94'  class='colomat-swap' style='display:none;'>Schlie\u00dfen<\/span>\n<h2>Medikament\u00f6se Therapie mit oralen Antikoagulantien (Blutverd\u00fcnnern)<\/h2>\n<div id=\"target-id69f1d4e7aab32\" class=\"collapseomatic_content \">Die Gerinnselbildung ist die gef\u00e4hrlichste Komplikation bei Vorhofflimmern. Diese Blutkl\u00fcmpchen k\u00f6nnen unter verschiedenen Bedingungen mit dem Blutstrom aus dem Herzen \u00fcber die Hauptschlagader fortgeschwemmt werden und gelangen so in das Gehirn, in wichtige Organe oder in die Gliedma\u00dfen. Dort k\u00f6nnen sie eine Arterie verstopfen. Das wird als arterielle Thromboembolie bezeichnet. Das von der Arterie versorgte Gewebe, das Organ oder der Muskel k\u00f6nnen dann nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden. Das geht in der Regel mit heftigen Schmerzen einher. Ganze Organe k\u00f6nnen so vollst\u00e4ndig oder teilweise absterben. Im Falle der Extremit\u00e4ten kann es sogar dazu f\u00fchren, dass der betroffene Arm oder das Bein f\u00fcr immer verloren sind. Die wohl dramatischste Komplikation ist der Hirninfarkt\/Schlaganfall. Dieses fatale Ereignis tritt auf, wenn das Gerinnsel ins Gehirn gelangt und dort eine Hirnarterie verstopft. Das hat oft ernste Ausf\u00e4lle von Hirnregionen mit Sprach- und Sehst\u00f6rungen oder L\u00e4hmungen zur Folge. Hier muss sehr schnell gehandelt werden. Gelingt es, nach einem Schlaganfall innerhalb weniger Stunden (&lt; 3 Stunden) das Gerinnsel aufzul\u00f6sen und somit den ungehinderten Blutfluss zum Gehirn, in das Bein oder ein anderes Organ wieder herzustellen, bleiben oft kaum dauerhafte Sch\u00e4den oder Ver\u00e4nderungen.<\/p>\n<p>Das Wichtigste in der Behandlung von Vorhofflimmern ist die Verhinderung dieser Gerinnselbildung. Das gelingt mit Medikamenten, die das Blut verd\u00fcnnen. Blutverd\u00fcnnung hei\u00dft, dass die Blutzusammensetzung so ver\u00e4ndert wird, dass die Gerinnungsf\u00e4higkeit herabgesetzt wird. Blutkl\u00fcmpchen k\u00f6nnen sich nicht mehr so leicht bilden. Bis 2011 gab es daf\u00fcr nur Marcumar\u00ae\/Falithrom\u00ae. Diese Medikamente greifen in den Vitamin K Stoffwechsel der Leber ein und k\u00f6nnen so die Bildung von Gerinnungseiwei\u00dfen verhindern. Jeder, der mit diesen Medikamenten behandelt wird, wei\u00df, dass das mit der Nahrung aufgenommene Vitamin K (in bestimmten Obst- und Gem\u00fcsesorten wie z.B. Brokkoli und Orangen) die Wirkung von Marcumar\u00ae\/Falithrom\u00ae herabsetzen kann. Der INR ist der normierte Quickwert. Mit diesem Wert wird angegeben, wie stark die Gerinnbarkeit des Blutes aufgehoben ist. Der normale INR, also der Wert bei gesunden Menschen ohne Einnahme von Marcumar\u00ae\/ Falithrom\u00ae, betr\u00e4gt 1,0. Das entspricht einem Quickwert von 100%. Beide Werte verhalten sich gegenl\u00e4ufig. Ein hoher INR bzw. ein niedriger Quickwert zeigen eine starke Blutverd\u00fcnnung an. Die meisten \u00c4rzte arbeiten mit INR-Werten, da diese Werte \u00fcberall auf der Welt vergleichbar sind. Der Quickwert h\u00e4ngt stark vom jeweiligen Labor ab, in dem die Blutprobe untersucht wird. Eine Blutverd\u00fcnnung bei Vorhofflimmern mit Marcumar\u00ae\/Falithrom\u00ae ist dann effektiv, wenn der INR zwischen 2,0 und 3,0 liegt. Bei Patienten mit k\u00fcnstlichen Herzklappen ist meist ein Wert zwischen 2,5 und 3,5 anzustreben. Die INR-Werte schwanken oft. Das macht die Therapie recht unsicher. Zum einen ist die blutgerinnungshemmende Wirkung bei einem zu niedrigen INR nicht gegeben und zum anderen besteht bei einem zu hohen INR ein hohes Blutungsrisiko.<\/p>\n<p>Heute k\u00f6nnen viele Operationen unter der laufenden Therapie mit Marcumar\u00ae\/Falithrom\u00ae durchgef\u00fchrt werden. Die OP-Verfahren sind so schonend, dass die Blutungsgefahr gering ist. Die meisten Zahn\u00e4rzte ziehen Z\u00e4hne bis zu einem INR von 3,0. Auch diagnostische Magen-, Darm- und Blasenspiegelungen sind bei einem INR bis 2,5 noch m\u00f6glich. Sollte es doch einmal notwendig sein, die Blutverd\u00fcnnung zu unterbrechen, kann in der Regel ohne weiteres auf Marcumar\u00ae\/ Falithrom\u00ae f\u00fcr 5-7 Tage verzichtet werden. Die \u00fcberbr\u00fcckende Gabe von Heparin als Spritze in die Bauchhaut ist nur noch ganz selten notwendig. Bitte sprechen Sie Ihren behandelnden Arzt daraufhin an, da es immer Ausnahmen gibt. Eine wichtige Ausnahme sind k\u00fcnstliche Herzklappen, bei denen die Blutverd\u00fcnnung nie unterbrochen werden dar.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Neue orale Antikoagulantien<\/span><br \/>\nDurch die <span style=\"color: #ff0000;\">neuen oralen Antikoagulantien<\/span>\u00a0ist die Therapie mit den sogenannten Vitamin K- Antagonisten mittlerweile fast vollst\u00e4ndig abgel\u00f6st. Diese Medikamente zeichnen sich durch eine gleichbleibende, nahrungsunabh\u00e4ngige Wirkung aus. Der Wirkungseintritt ist verglichen mit den Vitamin K Antagonisten sehr schnell. Wo Marcumar\u00ae\/Falithrom\u00ae erst nach 3 bis 5 Tagen sicher wirkt, beginnt die effektive Gerinnungshemmung mit den neuen Medikamenten bereits nach 2 Stunden. Hier einige Besonderheiten der neuen Blutverd\u00fcnnter:<\/p>\n<ol>\n<li>Die Wirkung der Medikamente kann in Routinelaboruntersuchungen nicht im Blut gemessen werden.<\/li>\n<li>Es existieren mittlerweile f\u00fcr alle neuen Antikoagulantien wirksame Gegenmittel, die im Notfall in den Kliniken verabreicht werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Bei einer sehr schlechten Nierenfunktion und bei Dialysepatienten muss aktuell noch auf diese Medikament verzichtet werden. Ist die Nierenfunktion eingeschr\u00e4nkt wird eine Dosisanpassung der Medikamente vorgenommen. Von einer eingeschr\u00e4nkten Nierenfunktion sprechen wir, wenn die Filterfunktion um die H\u00e4lfte reduziert ist. Diese Filterfunktion wird auch als glomerul\u00e4re Filtrationsrate (GFR) bezeichnet. Sie ist altersabh\u00e4ngig und betr\u00e4gt bei Gesunden immer &gt; 60 ml\/min\/1,73 m2. Ist die GFR auf unter 50 ml\/min\/1,73 m2 gesunken, m\u00fcssen die Antikoagulantien in der Dosis angepasst werden. Bei Werten &lt; 15 ml\/min\/1,73 m2 ist die Blutungsgefahr unter den neuen Blutverd\u00fcnnern wahrscheinlich zu hoch. Sie sollten also darauf achten, dass regelm\u00e4\u00dfig die Nierenfunktion kontrolliert wird, falls Sie mit den modernen Medikamenten behandelt werden. Die Kontrollintervalle legt Ihr Hausarzt individuell fest.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Es sind vier Medikamente auf dem Markt: Dabigatran (Pradaxa\u00ae) und Rivaroxaban (Xarelto\u00ae) und Apixaban (Eliquis\u00ae) und Edoxaban (Lixiana\u00ae). Welches Medikament bei Ihnen eingesetzt wird, entscheidet Ihr Arzt. Die vier genannten Medikamente sind sehr sicher in ihrer Wirkung und haben bei richtiger Indikationsstellung und Beachtung aller sogenannten Kontraindikationen kein erh\u00f6htes Blutungsrisiko. Sie zeigen gro\u00dfe Vorteile f\u00fcr die Therapie. Zum einen sind der Schlaganfallschutz besser und das Blutungsrisiko geringer. Zum anderen bringen der schnelle Wirkungseintritt und dann das schnelle Abklingen der Wirkung einen gro\u00dfen Gewinn im Alltag. Es ist so m\u00f6glich, vor Operationen die Blutverd\u00fcnner kurzfristig (24 Stunden vorher) abzusetzen und danach gleich wieder damit zu beginnen. \u00dcberbr\u00fcckende Medikamente sind also nicht erforderlich. F\u00fcr Sie als Patient ist es wichtig, dass Sie, wenn Sie mit diesen Medikamenten behandelt werden, stets einen kleinen Ausweis bei sich tragen, in dem vermerkt ist, welches Medikament Sie zur Blutverd\u00fcnnung einnehmen. So ist im Notfall jeder der behandelnden \u00c4rzte gut unterrichtet und kann entsprechende Ma\u00dfnahmen zur Blutstillung einleiten.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Wer sollte mit Blutverd\u00fcnnern behandelt werden?<\/span><\/p>\n<p>Ob ein Patient mit Vorhofflimmern mit oralen Antikoagulantien behandelt wird, h\u00e4ngt von seinem individuellen Risiko ab. Die Risikofaktoren spielen bei der Entscheidung f\u00fcr oder gegen eine Blutverd\u00fcnnung die entscheidende Rolle. Das pers\u00f6nliche Risiko wird nach dem sogenannten CHA2DS2VASc Score bestimmt. Mit dieser Punkteskala geling es sehr gut, das individuelle Risiko m\u00f6glichst exakt vorherzusagen und damit zu entscheiden, wer mit Tabletten zur Blutverd\u00fcnnung behandelt werden sollte und wer nicht. Der CHA2DS2VASc Score ist die Abk\u00fcrzung f\u00fcr die entscheidenden Risikofaktoren beim Vorhofflimmern.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Risikofaktoren &#8211; Punkteskala:<\/span><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>C<\/td>\n<td>Herzinsuffizienz (Herzschw\u00e4che)<\/td>\n<td>1 Punkt<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>H<\/td>\n<td>Hypertonie (Bluthochdruck)<\/td>\n<td>1 Punkt<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>A2<\/td>\n<td>Alter &gt; 75 Jahre<\/td>\n<td>2 Punkt<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td>Alter &gt; 65 Jahre<\/td>\n<td>1 Punkt<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>D<\/td>\n<td>Diabetes mellitus<\/td>\n<td>1 Punkt<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>S<\/td>\n<td>Schlaganfall \/ TIA \/ Embolie<\/td>\n<td>2 Punkt<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>V<\/td>\n<td>Gef\u00e4\u00dferkrankung (der Arterien des K\u00f6rpers und des Herzens)<\/td>\n<td>1 Punkt<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>S<\/td>\n<td>Weibliches Geschlecht<\/td>\n<td>1 Punkt<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Z\u00e4hlen Sie jetzt bitte Ihre pers\u00f6nlichen Risikofaktoren zusammen. Haben Sie kein Risiko oder erreichen Sie nur einen oder maximal zwei Punkte, ist die Blutverd\u00fcnnung h\u00f6chstwahrscheinlich nicht n\u00f6tig. Erreichen Sie mehr als 2 Punkte, wird Ihnen Ihr Arzt die Antikoagulation lebenslang empfehlen. F\u00fcr Patienten mit zwei Risikopunkten wird die Entscheidung sehr individuell sein. So wird ein Diabetiker ohne weitere Erkrankungen mit Antikoagulantien behandelt werden, eine junge Frau mit Vorhofflimmern sicherlich nicht. Die Therapie mit Aspirin hat jetzt keinen Platz mehr in der Schlaganfallprophylaxe beim Vorhofflimmern. Das hei\u00dft, dass bei einem sehr geringen Risiko gar keine Blutverd\u00fcnnung erforderlich ist. Im Vergleich mit anderen Bewertungsma\u00dfst\u00e4ben ist dieser Risikoscor sehr streng und erfasst viele Patienten, die bis dato noch nicht mit Blutverd\u00fcnnern behandelt worden sind. Die konsequente Beachtung der individuellen Risiken wird dazu beitragen, viele Schlaganf\u00e4lle zu verhindern.<br \/>\nUnd noch eins: die einmal getroffene Entscheidung zur Antikoagulation wird wohl vorerst eine lebenslange sein. Selbst nach offensichtlich erfolgreicher Behandlung von Vorhofflimmern verbleibt ein erhebliches Restrisiko f\u00fcr Schlaganf\u00e4lle. Wir wissen mittlerweile, dass sehr viele Vorhofflimmerepisoden ohne Symptome sind.<\/div><span class=\"collapseomatic \" id=\"id69f1d4e7aab32\"  tabindex=\"0\" title=\"F\u00fcr Informationen klicken Sie bitte hier\"    >F\u00fcr Informationen klicken Sie bitte hier<\/span><span id='swap-id69f1d4e7aab32'  class='colomat-swap' style='display:none;'>Schlie\u00dfen<\/span>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Medikament\u00f6se Behandlung &#8211; Wann und wie helfen Tabletten bei Herzrasen? Medikament\u00f6se Therapie mit oralen Antikoagulantien (Blutverd\u00fcnnern)<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":108,"parent":15,"menu_order":4,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"page-templates\/full-width.php","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kardiologie-saalkreis.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/129"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kardiologie-saalkreis.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kardiologie-saalkreis.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kardiologie-saalkreis.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kardiologie-saalkreis.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=129"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.kardiologie-saalkreis.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/129\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1707,"href":"https:\/\/www.kardiologie-saalkreis.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/129\/revisions\/1707"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kardiologie-saalkreis.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/15"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kardiologie-saalkreis.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/108"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kardiologie-saalkreis.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=129"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}